Home sweet home

Nach einigen Beiträgen auf Englisch ist mir aufgefallen, dass die Resonanz hier nicht so groß ist, weshalb ich von meinem Leben jetzt auf Deutsch berichte. So langsam finde ich Gefallen daran, meine Gedanken niederzuschreiben und es klingt schön, nicht nur selbst Revue passieren zu lassen, sondern auch andere zum Nachdenken zu bewegen.

Was mache ich eigentlich die ganze Zeit, außer vormittags mit einem Kaffee vor meinem Laptop zu sitzen und vor mich hinzuschreiben? Hauptsächlich studiere ich International Business with Languages (jaja, “(Business) Management” oder “International Languages” ist schon auch okay) in Glasgow, der drittgrößten Stadt Großbritanniens. Schon seit über einem Jahr lebe ich in der nicht-Hauptstadt Schottlands und sauge die Kultur fleißig in mich rein, die nicht nur aus Whisky und frittierten Mars-Riegeln besteht.

Glasgow

Es war schon etwas unheimlich im Moment meiner Ankunft, als ich nicht eine einzige Person kannte in einem Land, in dem ich vier Jahre verbringen würde. Allerdings verschwand diese Sorge äußerst schnell und ich habe sehr viele Leute kennengelernt, vor allem liebe, aber auch etwas verrückte Schotten. Ein Aspekt, der mich begleitet, ist die Sprache der Glaswegians. Der schwere Akzent hat es mir am Anfang nicht leicht gemacht, aber es half mir, mich mit Schotten abzugeben, die selbst für viele Muttersprachler des Englischen schwer zu verstehen sind.  Infolgedessen hat sich mein Englisch auch extrem verbessert, was ja auch eines meiner vielen Ziele dieses langen Aufenthalts ist. Neben dem Studium, welches zum Glück erfreulich verläuft, habe ich mir natürlich auch die Zeit genommen, das Weite zu erkunden, sowohl geographisch, als auch kulturell. Auch dank meines Studiums komme ich gut rum, sodass ich dreimal in London war, einmal in Manchester (beides in England, wohlgemerkt), zweimal auf der Insel Arran, mehrmals in der Hauptstadt Edinburgh, in Perth (nicht Australien, wohlgemerkt) und in einigen Vorstädten. Leider bin ich noch nicht dazu gekommen, die Highlands zu entdecken, da es ziemlich weit weg vom relativ eher südlichen Glasgow ist.

Kulinarisch hat Glasgow einiges zu bieten: Neben den typisch britischen Speisen wie Black Pudding, Fish & Chips und Yorkshire Pudding würde ich euch gerne Haggis, Neeps and Tatties und Square Sausages vorstellen: Haggis ist ein Schafsmagen, der mit Herz, Leber, Lunge, Nierenfett, Zwiebeln und Hafermehl gefüllt ist und traditionell mit Rüben (neeps) und Kartoffelbrei (tatties) serviert wird. Klingt appetitlich oder? Spaß beiseite, wenn man vom Inhalt absieht und sich einfach mal ein Herz nimmt und probiert (wortwörtlich 🙂 ), schmeckt es erstaunlich gut. Richtige Schotten genießen dazu eine Dose IRN BRU. ___ Dazu ne kleine Statistik: In jedem Land der Welt ist das meist verkaufte Soft-Getränk eins der Coca-Cola Company. Nicht so in Schottland: Dort ist es nämlich, Trommelwirbel… , IRN BRU, eine orange leuchtende Brause, die ungefähr schmeckt wie russische Limonade. ___ Square Sausages sind, wie der Name schon sagt, quadratische Hackwurstscheiben, die oft in einer frischen Roll (Brötchen) verspeist werden. Schottische cuisine mag sehr fettig und ungesund sein, dafür kann keiner sagen, dass es nicht schmeckt! Beim weltberühmten Whisky empfehle ich übrigens Bowmore und Glenmorangie.

Celtic Park.jpeg

Schotten sind sehr stolz auf ihr Land. Sie sehen es gerne, wenn andere sich an ihre Kultur antasten und markieren das Stadtzentrum nicht selten mit Kilt und Dudelsack oder oberkörperfreien Körpern bei über 15 Grad. Sie reagieren sehr empfindlich auf das Thema England, bitte nicht mit Schottland vergleichen und schon gar nicht verwechseln! Generell sind es zwei grundauf verschiedene Kulturen, das kann ich fairermaßen selbst bezeugen. Wie man oben im Celtic Park beim UEFA Cup-Spiel von Celtic Glasgow sehen kann, repräsentieren sie ihr Land auch sehr gerne nach außen und viele wünschen sich die Unabhängigkeit, was immer ein allgegenwärtiges Thema ist.

Die Zeit, die ich in Schottland verbracht habe, ist geprägt von Freundschaft, Neugier und Fleiß und ich bin mehr als froh, dass ich diesen großen Schritt gewagt habe in eine neue Welt. Für das zweite Jahr nehme ich mir vor, noch weiter aus Glasgow zu gehen und endlich einmal in den Highlands zu zelten oder zu wandern. Auch Dundee, Aberdeen oder die Isle of Skye wären für mich sehr interessant zu sehen.

Jedem, der in Betracht zieht, das nördlichste Land Großbritanniens zu erkunden, kann ich es nur wärmstens empfehlen und bei Bedarf versorge ich auch mit goldenen Insider-Tipps für eine sicherlich besondere Reise!

 

Advertisements